barrierefreiheit

Wie sieht Barrierefreiheit bei Events aus?

Das Thema der Veranstaltung steht, aber bisher sind nur weiße nicht behinderte Männer eingeladen? Was bei der Zusammensetzung eines Panels zu beachten ist und warum Diskussionen mehr Vielfalt der Speaker brauchen, diskutiert Judyta Smykowski von den Berliner Sozialhelden. Auf dem Portal Ramp-Up.me gibt der Verein Tipps, wo man beispielsweise Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte oder Behinderung als Speaker findet, und welche Erfahrungen Veranstalter wie z. B. die re:publica schon gemacht haben.

 

barrierefreiheitAls Besucherin ist man es leid, immer die gleichen Panels bei Veranstaltungen zu sehen: Bestehend aus vielen älteren Herrschaften; männlich und weiß. Die Moderation hat dann vielleicht eine Frau inne. Frauen wird im Allgemeinen nachgesagt, sie hätten eine ausgeprägte soziale Ader, weshalb sie gerne als Moderatorin eingesetzt werden. Sie sollen wahrscheinlich als Puffer fungieren und ‚mit weiblichem Charme‘ versuchen, die erhitzten, männlichen Gemüter während der Diskussion zu bändigen.

Vielleicht erinnerte sich jemand an die 50:50 Regel, die immer wieder durch die Blogs der Eventbranche geistert und öfters gefordert wird. 50% Quote auf der Bühne, Gleichstellung von Männern und Frauen, egal welches Thema das Event hat.

Doch wenn dann doch wieder nur männliche Vertreter auf der Bühne zu hören sind, ist die Ausrede meistens: „Es gab keine Frau auf diesem Feld“ oder: „Die Frau, die wir angefragt haben, war verhindert“.

Die Wahrheit ist: Es gibt in nahezu allen Fällen Frauen, die man hätte anschreiben können. Aber vielleicht verzettelt man sich auch im Alltag, kann ja mal passieren. Deshalb gibt es hilfreiche Portale, auf denen man die Frauen finden kann, die angeblich nicht zu finden sind. Aber nicht nur Frauen verstecken sich angeblich immer. Auch Menschen mit Migrationsgeschichte oder Behinderung. Sie sind einfach schwer zu finden, heißt es immer entschuldigend.

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Möglicherweise spielen auch gewisse Vorbehalte bei der Auswahl eine Rolle: Eine Frau hat doch bestimmt allerhand mit der Betreuung ihrer Kinder um die Ohren. Was passiert, wenn sie kurzfristig krank wird und deshalb als Speakerin nicht mehr zu Verfügung steht? Das Weltbild von der für die Erziehung zuständigen Mutter und dem für das Auskommen verantwortlichen Vater sollte allerdings als längst überholt gelten.

Es gibt sicherlich auch Bedenken, aufgrund spezieller Anforderungen von Menschen mit Behinderung, diese als Speaker*innen anzufragen: Ist der Veranstaltungsort barrierefrei, wie sieht es mit der Anreise und Unterbringung aus? Benötigt der Speaker / die Speakerin ein rollstuhlgerechtes WC, eine stufenlose Bühne oder wird ein*e Gebärdensprachdolmetscher*in benötigt? Das alles sind Punkte, die im Vorfeld natürlich abgeklärt werden sollten. Die Erfahrung zeigt aber, dass mit einem kompetenten Ansprechpartner der Aufwand deutlich niedriger ist, als ursprünglich befürchtet.

Das eigentliche Problem liegt in der Gesellschaft. Menschen mit Behinderung sind immer noch zu selten ArbeitskollegInnen, Mitstudierende oder MitgliederInnen im Sportverein. Unsere Gesellschaft ist tatsächlich aber vielfältig, dies sollte sich auch auf den Podien wiederspiegeln.

Ein weiterer Punkt ist das Zuweisen von Rollen: Eine weibliche Speakerin spricht zum Thema Frauenquote, ein Mann mit Behinderung über seine Erfahrungen mit dieser, ein Geflüchteter über seine Flucht. Darüber hinaus sind diese Menschen aber Juristen, Informatiker, Verkäufer, etc. und daher barrierefreiheitExpert*innen auf einem Gebiet abseits der ihnen angedachten Rolle, in die sie gesteckt werden.

Also: Wir brauchen Frauen, Menschen mit Behinderung, mit Migrationsgeschichte und aus dem LGBTQ-Spektrum auf den Podien dieses Landes. Um der Vielfalt der Meinungen und Ansichten willen, um der Denkanstöße willen und letztendlich auch der Realität willen.

Das Portal Ramp-Up.me bietet viele Kontaktinformationen zu Vereinen und Verbänden auf einen Blick, die passende Speaker zu verschiedenen Themen haben: http://ramp-up.me/programm/

Judyta Smykowski

Judyta Smykowski

Redakteurin und Referentin at Leitmedien.de
Judyta Smykowski (*1989) ist Redakteurin und Referentin bei Leidmedien.de, einem Portal der Berliner Sozialhelden, dass sich mit vorurteilsfreier Sprache über Menschen mit Behinderung in den Medien und der Gesellschaft auseinandersetzt. Sie gibt Workshops in Medienhäusern und bei Verbänden. 2016 starteten die Sozialhelden das Projekt Ramp-Up.me, dass sich mit Barrierefreiheit und Diversity auf Events auseinandersetzt.
Die Macher*innen von Ramp-Up.me stehen für Beratung im Bereich Barrierefreiheit auf Events und Schulungen im Abbau von Berührungsängsten gegenüber Menschen mit Behinderung zur Verfügung.
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